> [!INFO] Besonders relevant > Kapitel 3 und 4 ## Chapter 1: Case Studies and Theory Development - Übersicht über Entwicklungen von case study research - Einblick in Entwicklungen im Feld und der Popularität von case studies - [[Process-tracing]] könnte evtl. interessant sein, um Kausalitäten zu erklären, wird im Buch behandelt - Ch. 2: Demonstration an Beispiel - Part II and III: Manual - case = “an instance of a class of events” [vgl. @georgeCaseStudiesTheory2005: S. 17] - class of events = das Phänomen, das wissenschaftlich interessant ist ![[Excal-2022-01-14-08..excalidraw]] - größter Mehrwert, wenn beides verbunden wird - Stärken von case studies: - hohe Validität, da Konzepte fein ausdifferenziert werden können (im Gegensatz zu [[conceptStretching]] in [[Quantitative Sozialforschung]]) - Offenheit für neue Hypothesen durch Archiv - Kausalmechanismen lassen sich nachverfolgen, auch mithilfe historischer Analysen - man kann sie sehr fein nachzeichnen und ist offen für verschiedene Kausalmechnismen: merhere mögliche Resulate, Pfadabhängigkeiten etc. - Nachteile: - selection bias - case studies sind nicht so gut darin, die Wichtigkeit und Auswirkung einer bestimmten Variable zu bestimmen - Abwägung nötig zwischen weniger Fällen, die intensiver untersucht werden oder mehr Fällen, die oberflächlicher betrachtet werden → Erkenntnisse können keine Repräsentativität beanspruchen ## Chapter 2: Case Study Methods and Research on the Interdemocratic Peace - ## Chapter 3: The Method of Structured, Focused Comparison - strucutured = es werden allgemeine Fragen formuliert, die an jeden Fall gerichtet und beantwortet werden, um systematisch vergleichbare Aussagen treffen zu können - focused = nur bestimmte Aspekte der Fälle werden betrachtet [vgl. @georgeCaseStudiesTheory2005: S. 67] - **Anforderungen an Case Studies**: - das Universum, die Klasse muss klar definiert sein, in dem sich die Instanzen bewegen, alle Fälle müssen Instanzen einer einzigen Klasse sein - die Fallauswahl sollte von der Theorie und Forschungsfrage geleitet werden, nicht weil sie ‘interessant’ sind - es sollten Variablen zugrundegelegt werden, die theoretisch interessant sind [vgl. @georgeCaseStudiesTheory2005: S. 69] ## Chapter 4: Phase One: Designing Case Study Research > [!INFO] Phasen > - Phase 1: Ziele, Design, Struktur der Untersuchung werden formuliert > - Phase 2: Ausführung der Fallstudien > - Phase 3: Erkenntnisse zusammmenführen - Phase 1 umfasst 5 Aufgaben: - **1) Problemstellung und Forschungsziel formulieren** - Relevanz herausstellen, Zugewinn für wiss. Debatte darlegen - [[6 Typen theoriebildender Forschungsdesigns]] - sollte klar werden, welche Art von Forschungsdesign man gewählt hat - Fragen, die zu adressieren sind: - Was ist das zu untersuchende Phänomen? - Soll Veränderung oder Stillstand in der abhängigen Variabel erklärt werden? - Welche Theorie soll genutzt werden? - Welche Aspekte bestehender Theorien werden genutzt und/oder getestet? - kann sich anbieten, die zu untersuchende Klasse nicht zu groß werden zu lassen und lieber mit einer gut definierten Subklasse des interessierenden Phänomens zu arbeiten, kann dann auch später zur Theorieentwicklung größerer Reichweite genutzt werden kann (“building blocks”, jeder Theorieblock steht für sich und ist in sich valide, kann dann mit anderen Blöcken zusammengebracht werden) [vgl. @georgeCaseStudiesTheory2005: S. 74ff.] - **2) Forschungsstrategie entwickeln: Variablen spezifizieren** - Was sind abhängige und unabhängige Variabel? - Welche unabhängigen/intervenierenden Variablen fließen in das theoretische Konzept ein? - Welche Variablen sollen konstant gehalten werden und welche variieren? - “As will be noted, the definition of variance in the dependent variable is critical in research design” [vgl. @georgeCaseStudiesTheory2005: S.79 ] - kann hilfreich sein, Fälle in allen vier Quadranten einer Typologie/Klasse auszuwählen: - UV(a) /AV (a) - UV(b) / AV(a) - UV(a)/AV(b) - UB(b)/AV(b) - **3) Fallauswahl** - Hauptkriterium: Relevanz für die Forschungsfrage - Variablen und Varianz müssen passen [vgl. @georgeCaseStudiesTheory2005: S. 83f.] - **4) Varianz der Variablen beschreiben** - Frage, wie viele verschiedene Ausformungen der Variablen definiert werden sollen - wenige (bis hin zur Dichotomie) → größere Rigidität, weniger Nuancen, Grautöne fallen weg und damit auch die Möglichkeit, Subtypen zu bilden - genaue Zahl muss von der Fragestellung abhängig gemacht werden und kann auch testweise variiert werden, ggf. auch als Gedankenexperiment durchspielen [vgl. @georgeCaseStudiesTheory2005: S. 85f.] - **5) Datenanforderungen und allgemeine Fragen formulieren** - Studie wird konkreter und Forschung effektiver, wenn man definiert, welche Art von Daten man erheben möchte und wie die Qualität dieser Daten sein soll - sollte in Form von generalisierten Fragen erfolgen, die allen Fällen gestellt werden [vgl. @georgeCaseStudiesTheory2005: S. 86f.] ## Chapter 5: Phase Two: Carrying out the Case Studies - “Soaking and Poking”: - sich in existierender Literatur “versenken” - Variablen bestimmen und Kriterien erarbeiten, die ein “scoring” der Variablen ermöglichen - Erklärungen suchen für die einzelnen Fälle - dabei nicht als Experiment verstehen mit einer starken Erklärung, sondern eher als Detektiv der Historie vorgehen und viele schwache Anhaltspunkte nehmen - es sollten immer auch alternative Erklärungen erwogen werden [vgl. @georgeCaseStudiesTheory2005: S. 89ff.] - Erklärungen in Fallstudien sind immer provisorisch - ==causal imputation== statt causal inference (bedeutet was?) - Deskriptive Erklärungen in analytische entwickeln - im Prozess werden Daten verloren gehen, ist bei Abstrahierung unvermeidlich - **sollte einen Abschnitt geben, der auf methodologische Schwierigkeiten eingeht und z.B. darlegt, mit welchen Maßgaben man in die Untersuchung gestartet ist und wie sich das im Laufe der Forschung verändert hat** - wie umgehen mit dem Dilemma, dass man den case studies Rechnungn tragen möchte, sie aber auch nicht die Limits des Papers oder Buchs sprengen? - an den Anfang eine Zusammenfassung stellen, um Vertrautheit zu erzeugen - dann historische Darstellung mit Analyse verbinden - wenn die Theorie besser ausgearbeitet ist, können die Beschreibungen kürzer werden, da man dan schon besser weiß, worauf es genau ankommt - dazu weiter abkürzen indem man alternative Darstellungsformen wählt, z.B. Entscheidungsbäume oder Action-Diagramme [vgl. @georgeCaseStudiesTheory2005: S. 92ff.] - Herausforderungen beim Versuch, Policy-Entscheidungen zu rekonstruieren - mehrere historische Quellen einbeziehen, nicht nur eine - Geschichte spricht nicht für sich selbst, sondern nur vor derm Hintergrund der Fragen, die man an sie stellt, ergo müssen Erkenntnisse aus historischen Studien auch vor der Hitnergrund der eigenen Fragen beantwortet und bewertet werden - so weit es geht mit Primärquellen arbeiten (Interviews, Archivdaten, Zeitungsberichte, Social Media) [vgl. @georgeCaseStudiesTheory2005: S. 94ff.] - **Policy-making is messy!! Weder gibt es oftmals klar vorgegebene (und dann eingehaltetene) methodische Pfade, noch univariate Erklärungen** - bei Archivmaterial immer auch darüber nachdenken, wer zu wem spricht und aus welchen Grüden es festgehalten wurde, ebenso wieso manche Dokumente zugänglich gemacht wurden - immer neben den formalen auch die informellen Wege von Entscheidungsfindungen betrachten - “[D]ocuments are not necessarily to be taken at face value, and one has to see things in con text to understand what they mean. One has to get into thwee habit of asking why a particular document qas writtren –“ that is, what purpose it was meant to serve” (Trachtenberg 1998 in: [vgl. @georgeCaseStudiesTheory2005: S. 107]) ## Chapter 6: Phase Three – Drawing the Implications of Case Finding for Theory - Fallstudien sind nicht unbedingt für komplette Theorieentwicklung geeignet, sondern eher um auf einzelene Aspekte hinzuweisen oder neue, beachtenswerte Variablen aufzudecken - abweichende Fälle (deviant cases) als Weg, um neue ANsätze, VAriablen und Kausalmechanismen zu entdecken - **Fälle sind, wenn man nur genau genug hinschaut, immer unterschiedlich und einmalig. Damit man dennoch zu Generalisierungen und Theoriebildung kommen kann, müssen die individuellen Erklärungen in Form allgemeiner Variabeln formuliert werden, d.h. man muss eine Grammatik entwickeln, die für alle Fälle in der Untersuchung funktioniert [vgl. @georgeCaseStudiesTheory2005: S. 113f.]: “The ‘unique historical event’ cannot be ignored, but it must be considered as one of a class of events even if it happend only once” ==(Verba 1967: 113f.)== - Typologie anlegen, die die gewählten Fälle entlang von least/most likely in die gewählte Theorie einordnet: müsste mich dabei an meiner MLG-Theorie orientieren und da v.a. an [[Rinus Penninx]] et al. ## Chapter 7: Cases Studies and the Philosophy of Science - ## Chapter 8: Comparative Methods: Controlled Comparison and Within-Case Analysis - kontrollierte Fallvergleiche mit Fällen, die sich bis auf eine Variable extrem ähneln und damit ein Experiment simulieren könnten, sind in der sozialen Realität kaum realistisch, ergo müssen Alternativen her - Vergleichsmethoden nach Mill: - method of agreement - sucht nach Ähnlichkeit in unabhängiger V. bei ähnlichem Ausgang in zwei oder mehr Fällen - method of difference - sucht nach unterschiedlichem Outcome bei mehreren Fällen und dem Zusammenhang mit der unabhängigen V. - geht in beiden Varianten um Variablenkontrolle, was grundsätzlich problematisch ist - Alternativen müssen her: **“within-case method with causal analysis”** im Gegensatz zu “variable-oriented” approaches (Ragin) - fokussiert sich nicht auf Variablen über Fälle hinweg, sondern versucht Kausalpfade in einem einzelnen Fall nachzuvollziehen ## Chapter 9: The Congruence Method - within-case method kann Kongruenz-Methode, Process Tracing, oder beides beinhalten - Beginn mit Theorie, dann Versuch zu prüfen, ob sie das Outcome eine Falls erklären/vorhersagen kann [vgl. @georgeCaseStudiesTheory2005: S. 181] - ist also ein Theorietest - zuerst den Wert der UV feststellen und dann schauen, ob die AV entsprechend der Theorie ist - kommt mit wenig Daten aus, ist in meinen Augen aber auch nicht allzu sinnvoll - ist vor allem dann nützlich, wenn man eine Theorie testen oder eine neu entwickelte Theorie auf ihre Validität hin testen möchte, jetzt also eher nicht relevant ## Chapter 10: Process-Tracing and Historical Explanation - strebt an, die Mechanismen (intervenierenden Variablen) zu identifizieren, die zwischen der UV und AV liegen [vgl. @georgeCaseStudiesTheory2005: S. 206] - bei diesem Prozess muss “equifinality” berücksichtigt werden, also dass mehrere Pfade zum selben Ergebnis geführt haben können - mit einem Mehr an Fällen kann man sich dann annähern und Typologien erstellen - Formen von Process-Tracing: - Detaillierte Erzählung (“detailed narrative”) - einfach eine detaillierte Nacherzählung ohne zu starke Bezugnahme auf Theorie - kann eine wichtige Vorarbeit sein - Nutzung von Hypothesen und Generalisierungen - Nacherzählung angereichert mit theoretisch begründeten Hypothesen und Generalisierungsversuchen - spezifische Informationen werden hier zugunsten von Theoretisierung und analytischer Generalisierung geopfert - Analytische Erklärung - eine historische Erzählung wird in eine analytische Erklärung übersetzt - Stärker allgemeine Erklärung - ==statt extrem ins Detail für den Einzelfall zu gehen, versucht man sich an einer etwas abstrakteren Erklärungsbene - ==kann dann sinnvoll sein, wenn es a) nicht genügend Zugang zu Daten gegeben ist oder b) das Erkenntnisinteresse entsprechend gewählt ist== - “moving up the latter of abstraction” [vgl. @georgeCaseStudiesTheory2005: S. 210ff.] - Nutzung von PT - kann da eingesetzt werden, wo ein kontrollierter Vergleich (Vergleich zweier Fälle, die sich in allen Aspekten bis auf einen gleichen) nicht möglich ist %%also fast immer%% - auch sehr nützlich, um *deviant cases* zu erklären - Grenzen von PT - es müssen alle Elemente der Kausalkette auf einer angemessenen analytischen Ebenen untersucht und erklärt werden können - sobald ein Element gegen die Vorhersage der Theorie widerspricht, ist das ein starker Hinweis auf einen Fehler in der Theorie - außerdem kann es vorkommen, dass es mehr als einen plausbilisierbaren Pfad gibt, der konsistent mit der Theorie und den beobachteten Phänomenen ist [vgl. @georgeCaseStudiesTheory2005: S. 222] ## Chapter 11: Integrating Comparative and Within-Case Analysis: Typological Theory - Vorarbeiten von Weber (Idealtypen) und Lazarsfeld (property spaces) - typological theory ist von einer reinen Typologie zu unterscheiden, da diese nur eine Vorstufe der Theorie ist - die Kombination der konstituierenden Faktoren muss in einer Typologie nicht zwingend theoretisch sein, typoligisierende Theorien sind quasi die Abstraktion der Typologie und ihre theoretische Erklärung [vgl. @georgeCaseStudiesTheory2005: S. 238f.] - “We define a typological theory as a theory that specifies independet variables, delineates them into the categories for which the researcher will measure the cases and their outcomes, and provides not only hypotheses on how these variables operate individually, but also contingent generalizations on how and under what conditions they behave in specified conjunctions or configurations to produce effects on specified dependent variables. We call specified conjunctions or configurations of the variables “types””” [vgl. @georgeCaseStudiesTheory2005: S. 235]. - offen für equifinality: das gleiche Ergebnis kann aus verschiedenen Gründen entstehen - alle denkbaren Fälle werden durchdekliniert, auch wenn es nur einen einzigen davon gibt oder sogar nur hypothetisch ist - werden durch cut-off points in den Variablen definiert - “property space” = “the relevant universe of all possible combinations of variables, or types” [vgl. @georgeCaseStudiesTheory2005: S. 248] - die sorgsame Differenzierung und Charakterisierung der Varianz der AV ist oftmals eines der langfristig relevantesten Forschungsergebnisse %%bei mir also Typen von Migrationsgovernance: [[Was ist Migrationsgovernance?]]%% ## Chapter 12: Case Studies and Policy-Relevant Theory - --- Überragendes Buch aus fachlicher Sicht. Unverzichtbar, wenn man politikwissenschaftliche Fallstudien machen möchte. Rating: 5/5 --- source: [vgl. @georgeCaseStudiesTheory2005: S. ] tags: [[@PhD]] [[@methodology]] [[Qualitative Sozialforschung]] notes: [[3 Research Design – From individual case analysis to theoretical insight_FINAL]] [[Fallauswahl und -konstruktion sowie Forschungsablauf]]