Rating: 3/5 Rietzschels Erzählung über zwei Brüder, die in der Oberlausitz groß werden ist ja ein großer Erfolg gewesen, sodass ich das Buch schon lange auf der Liste hatte, gerade da ich oft in der Region bin und zu Ostdeutschland forsche. Leider war es dann eher eine Enttäuschung. Das Buch hat starke, mitunter sehr starke Momente, vor allem dann, wenn die Sprachlosigkeit zwischen den Protagonist:innen, das nicht Ausgesprochene, was aber alles belastet, thematisiert wird. Das ist mitunter äußerst beklemmend, was aber für Rietzschels literarische Fähigkeiten spricht. Leider hält das Buch dieses Niveau über weite Strecken nicht. Die Figuren sind zu flach und der Schreibstil mitunter unausgegoren, sodass keine dichten Szenerien entstehen, in denen man sich verlieren kann. Ich hatte beim Lesen öfter das Problem, einfach nicht so richtig eintauchen zu können, weil es sprachlich für mich nicht funktioniert hat. Ich würde daher behaupten, dass das Buch das Glück hatte, zur rechten Zeit zu kommen: Junger Ostdeutscher schreibt schonungslos über Ostdeutschland. Das passt(e). Isoliert betrachtet, halte ich das Buch für Durchschnitt mit starken Momenten.