Rating: 4/5
Balzer hat hier einen sehr wichtigen Text geschrieben, indem er die Frage behandelt, wieso ausgerechnet diejenigen, die sich am empathischsten und sensibelsten für Diskriminierung so kalt, abwesend und feindselig gegenüber Jüdinnen und Juden nach dem Massaker der Hamas geben. Dafür befasst er sich mit den Ursprüngen der ‚Wokeness‘ und fragt, ob und wenn ja wie man zu einer woken Geisteshaltung zurückkehren kann, wenn ‚die‘ woke Bewegung sich auf so eklatante Weise selbst beschädigt hat. Balzers Text ist gut geeignet, um über diese Frage nachzudenken, weist aber auch Schwächen auf. Die historische Kontinuität antisemitischer Einstellungen in der Linken bleibt beispielsweise stark unterbelichtet und auch die Auseinandersetzung mit dem Auftreten der von ihm kritisierten woken Linken hätte mehr ‚show‘ und weniger ‚tell‘ vertragen können. Dennoch ein gutes, ein wichtiges Buch.