Rating: 5/5
Wie schon u.a. beim Zauberberg von Mann geschrieben sind Klassiker für mich immer ein bisschen Hit or Miss. Manchmal komme ich einfach mit Sprache oder aus heutiger Sicht absurd anmutenden Handlungen der Akteure nicht klar.
Dazu kommt, dass die Brüder Karamasow unheimlich lang sind (850+ Seiten) und Dostojewskis letztes großes Werk, sein Magnus Opum darstellen. Es gibt also sicher geeignetere Einstiege ins Werk Dostojewskis als dieses Monstrum.
Dennoch habe ich das Buch geliebt und es wird mir lange in Erinnerung bleiben. Wie die Fehde der drei ungleichen Brüder mit dem Vater entsponnen wird, die Charaktere über hunderte Seiten entwickelt werden, ist sagenhaft. Zudem ist das Buch im letzten Drittel unheimlich spannend und ich habe noch nie einen so gut nacherzählten Gerichtsprozess gelesen.
Sicherlich kann man sich fragen, ob Nebenfiguren wie der Starez Sossima ein komplettes eigenes Buch brauchen, aber da die Qualität auch in diesen Nebensträngen, die im Grunde eigene Geschichten sind, nicht abflacht, nimmt man es gern mit.
Ich bin froh, dass ich mich zu Beginn durchgekämpft habe. Ein ganz großes Buch und sicher nicht mein letzter Dostojewski.