3/5
Eine Sammlung mit Kurzgeschichten diverser englisch- und französischsprachiger kanadischer Autor:innen. Das Buch ist schon älter, weshalb die Geschichten alle eher so in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts oder kurz danach spielen. Einige gute sind dabei, aber auch einiges an Ausschuss (s.u.). Bereue es aber nicht, diesen Zufallsfund gelesen zu haben.
ACHTUNG SPOILER:
## Frederick Philip Grove – Schnee
Ein Mann erfriert im Schneesturm, weil er es mit seinem Pferd nicht rechtzeitig in die Siedlung schafft. Bedrückende Atmosphäre. 4/5
## Morley Callaghan – Ein Krankenbesuch
Der Pfarrer soll eine sehr kranke Frau besuchen, ihr Mann ist strikt dagegen. Gibt mir wenig. 2/5
## Roger Lemelin Die Kreuzwegstationen
Ein Pfarrer, der große Stücke auf die Modernität seiner Kirche hält, beauftragt nach einem Paris-Besuch einen modernen Künstler, die Bilder für die Kreuzweggallerie in modernem Stil zu malen. Dies kommt bei der Kirchengemeinde überhaupt nicht gut an und die Menschen sind erst wieder zufrieden, als sie durch konventionelle Bilder ersetzt werden. Ein Lehrstück über Veränderungsresistenz in der Provinz. Hat mir gefallen. 4/5
## Hugh Garner – Ein, zwei, drei kleine Indianer
Ein Ureinwohner verliert seinen kleinen Sohn, weil er den Weg zum Krankenhaus zu Fuß bewältigen muss und nicht per Anhalter mitgenommen wird. Der Rassismus der us-amrikanischen Mehrheitsgesellschaft wird hier auf wenigen Seiten schmerzhaft spürbar. Dazu die gebrochenen Figuren des Vaters und seiner Frau, respektive der Mutter. Sehr gelungen. 5/5
## Douglas Odell Spettigue – Die Heuernte
Der Außenseiter und Immigrant Van, der eigentlich Polsterer werden wollte, hilft auf einem Gehöft bei der Heuernte. Nach einem Vorfall erhängt er sich in der Scheune. Sprachlich stark, dazu sehr bedrückend. 4/5
## Mavis Gallant – Bernadette
Eine Geschichte über die Eheleute Knight und ihr Dienstmädchen Bernadette, die bei den beiden Bildungsbürger:innen eher verloren ist, dann aber schwanger wird. Darüber zerbricht die Ehe fast, da die Ehefrau davon ausgeht, dass ihr Mann erneut fremd gegangen ist, wie schon zuvor zwei Mal in ihrer Ehe. Dem ist nicht so. Die, für diesen Rahmen relativ lange, Geschichte zeichnet den Mikrokosmos der Ehe und des Haushalts hervorragend nach und hinterlässt Eindruck. 5/5
## Sinclair Ross – Die Lampe am Mittag
Die Ehefrau hält es nicht länger in der Steppe aus, in der es ihr Mann unbedingt als Farmer schaffen möchte. Skizze einer Ehekrise. So lala. 3/5
## Norman Levine – Ein kleines Stückchen blauen
Ein Student möchte Bergarbeiter werden. Schön erzählt, aber wenig greifbares. 3/5
## Hugh Hood – Der rote Drachen
Ein Vater geht mit seiner Tochter Drachen steigen. Hat mir gar nichts gesagt. 2/5
## Mordecai Richler – Wasser auf Mervyns Mühle
Der Autor Mervyn versucht, sein Manuskript zu verkaufen und wird von der Familie bei der er wohnt, als Genie behandelt. Den zweiten Strang bildet die Liebesgeschichte (vielleicht auch eher Sexgeschichte) zu einem Mädchen aus der Nachbarschaft. Nach vielen erfolglosen Versuchen wird das Buch akzeptiert und er macht sich aus dem Staub. Spannende Studie zum Umgang mit vermeintlichen oder tatsächlichen 'Genies' bzw. Künstlern in der 'normalen' Bevölkerung, der immer zwischen Bewunderung und Spott changiert. Dazu ein interessanter Einblick in das Milieu nordamerikanischer Juden. Gute Geschichte. 4/5
## Anne Hébert – Die Einheirat
Hat mir gar nichts gegeben. Zum Teil übersprungen. 1/5
## Yves Thériault – Das Wolltuch
Ein Mann und Fischer verdächtigt seine deutlich jüngere Frau, auch für andere Männer Wolltücher zu stricken (und ggf. mehr). Am Ende stellt sich alles als Resultat seiner Eifersucht heraus. Hat mir wenig gegeben. 2/5
## Eric Cameron – Der Wendepunkt
Billy, ein native, ist gefangen zwischen Emanzipation aus dem Reservat und Erwartungen der Daheimgebliebenen. Dazu einen Liebesgeschichte mit einer der dort Wohnenden. Eher seicht und literarisch naiv. Die Themen treten doch zu deutlich zutage. 2/5
## Margaret Laurence – Die Seetaucher
Sprachlich schön. Es geht um eine französich-stämmige Familie, die einen Sommer lang die Tochter von Natives mit zu ihrer Sommerhütte nimmt. Die Tochter der Familie trifft das Mädchen Jahre später wieder, die mittlerweile eine in jeder Hinsicht sehr aktive Jugendliche geworden ist. Sie wurde früh schwanger und starb bei einem Wohnungsbrand. Eine schöne Geschichte über die Grenzen, was wir für andere tun können. 4/5
## David L. Stein – Der Jäger
Luscoe sammelt auf dem Golfplatz verlorenen Golfbälle ein und verkauft sie dann wieder. Eines Tages kommen ältere Jungs, die ihn aus dem Geschäft drängen wollen. Hat mir gefallen. 3/5
## Alice Munro – Jungen und Mädchen
Ein Mädchen berichtet vom Alltag auf der Silberfuchsfarm ihres Vaters. Nicht sehr interessant. 2/5
## Eugene McNamara – Made in Canada
Der Bericht einer Frau, die mit ihrem Mann aus den USA nach Kanada gezogen ist, weil er Professor an einer Universität dort geworden ist. Zunächst in eine Wohnung in der Innenstadt, dann (gezwungenermaßen) in ein Haus in der Vorstadt. Die Geschichte handelt von Fremdheit, von (Nicht-)Ankommen in einer neuen Umgebung, von der Ablehnung der Kanadier den USA gegenüber und der Einsamkeit der daheim gebliebenen Ehefrau. Lesenswert. 4/5
## John Metcalf – Lasset die Kindlein zu mir kommen
Furchtbare Geschichte. Wusste gar nicht so recht, was mir das sagen sollte, außer das Kinder an einem Strand ihre Zeit verbringen. 1/5
## David Helwig – Wieder etwas für Olivias Sammlung
Etwas wilde Geschichte über ein verwahrlostes Kind/Jugendliche, das vor der Polizei versteckt wird. Struktur der Geschichte hat sich mir nicht ganz erschlossen. 2/5
## Arman Faille – Taktgefühl
Ein Politiker wird von einem reichen Wirtschaftsmagnaten zu sich nach Hause zitiert und eindringlich darum gebeten, seine geäußerten Ansichten zur Bildungspolitik zu überdenken. Das tut er dann auch. 4/5
## Amme Marriott – Am einem Sonntagnachmittag
Völlig unklar, worum es hier ging. 1/5